Der Geruch von Cannabis – so verräterisch…

Die Cannabispflanze verlässt sich, wie andere Pflanzen auch, auf ihren spezifischen Geruch, um nützliche Insekten anzulocken und schädliche abzuwehren. Die pflanzeneigene Terpenenzusammensetzung ist dafür im Wesentlichen verantwortlich. Terpene bezeichnen eine Gruppe von Molekülen in auf Kohlenstoff basierendem Pflanzenmaterial, welche für den Schutz der Pflanze vor Bakterien, Pilzen und Insekten sorgt;  bei der Hanfpflanze sind Terpene hauptsächlich im Harz der unbefruchteten weiblichen Blüten enthalten und tragen wesentlich zum Aroma der Knospen bei.

Was also eigentlich als Lock- bzw. Abwehrstoff der Natur gedacht ist, nehmen wir als den typischen „Grasgeruch“ wahr. Kein Wunder also, dass er sich so hartnäckig in Kleidung, Räumen und Atemwegen hält. Warum er trotzdem unvermeidbar ist? Cannabispflanzen produzieren Terpene in denselben Drüsen, die auch für die Produktion von THC (Tetrahydrocannabinol, primäre psychoaktiven Wirksubstanz) und CBD (Cannabidiol, kaum psychoaktives Cannabinoid) zuständig sind – jede Cannabis-Sorte erhält durch ihre spezielle chemische Zusammensetzung und –wirkung von Cannabinoiden und Terpenoiden ihren individuellen Geschmack und Geruch.

Cannabinoide weisen im Gegensatz zu Terpenoiden keinen eigenen Geruch auf. Aber: Terpene verdampfen leicht, wenn sie mit Sauerstoff in Berührung kommen – gerade bei Sonneneinstrahlung und hohen Temperaturen. Unter diesen Bedingungen fällt die Geruchsentwicklung also besonders intensiv aus. Neben den Terpenen tragen auch die Flavonoide zu Geruch und Geschmack des Hanfs bei – sie sorgen für die charakteristische süßliche Note im Geruch.

Doch Terpene haben neben der Geruchsentwicklung auch noch zusätzliche Effekte: sie wirken komplex in Kombination mit den unterschiedlichen Cannabinoiden – damit sind sie an dem erlebten Rausch nach dem Genuss von Cannabis wesentlich beteiligt. Einige Terpene blockieren beispielsweise neuronale Rezeptoren und verändern so die Durchlässigkeit der neuronalen Zellmembranen – ähnlich wie die „Glückshormone“ Serotonin und Dopamin. Während einige Terpene beispielsweise stressreduzierend wirken, besitzen andere entzündungshemmende Eigenschaften. Terpene wirken damit ähnlich wie THC, das sich an Rezeptoren im Gehirn bindet und somit die typische psychoaktive Wirkung beim Cannabis-Konsum erzeugt.

So viel ist also klar: der Cannabis-Konsum kommt ohne den verräterischen Geruch einfach nicht aus. Das Für und Wider abzuwägen, bleibt Ihnen überlassen – mit einer St. Sin in der Tasche kommen Sie allerdings immerhin um den verräterischen Mundgeruch herum.