Datingtrends

Ob Benching, Ghosting, Cushioning oder Submarining – für jede Ungezogenheit im menschlichen Dating-Miteinander gibt es mittlerweile einen hippen, englischen Begriff. Was sich erstmal harmlos anhört, ganz wie ein neuer Dating-Trend, ist wohl ein Symptom der menschlichen Angst vor Endgültigkeit. Denn mit ihr ist auch die Möglichkeit verbunden, noch nicht das Optimum im ständig optimierbaren Leben erreicht zu haben – das hieße, versagt zu haben, und dem immerwährenden digitalen Vergleich nicht mehr standzuhalten.

Wer seinen Partner „bencht“ – also auf die „lange Bank schiebt“, um den Moment der Entscheidung für oder gegen eine feste Beziehung soweit wie möglich hinauszuzögern – ist vermutlich ebenso bindungssängstlich wie jemand, der seinen Partner „ghostet“ – ihn also irgendwann einfach ignoriert, auf keine Nachrichten mehr antwortet und wie ein Geist einfach aus seinem Leben verschwindet. Um sich einen Partner zu suchen, der vielleicht doch noch etwas optimaler ist.

Scheitert dieses Unterfangen, tauchen einige dieser Ghosts wieder auf und starten einen neuen, unverbindlichen Annäherungsversuch – sie „submarinen“ also. Und wer noch eine Stufe unverbindlicher unterwegs ist, der cushiont – hält sich also neben dem aktuellen Datingpartner auch noch 2-3 Alternativen als „Sicherheitspolster“ offen. Und der aktuelle Datingpartner? Befindet sich in der ständigen Bewährungsprobe, „optimal genug“ für die Beziehung zu sein – oder ersetzt zu werden.

Während also am einen Ende des Extrems die Datingwelt immer unverbindlicher wird, wächst auf der anderen Seite folgerichtig der Wunsch nach Sicherheit, Verlässlichkeit und Verbindlichkeit. Hybride Datingformen sind die daraus resultierende Entwicklung – beim Omni-Dating verschmelzen die analoge und die digitale Welt zu einer einzigen Wirklichkeit. Durch Geolokalisierungsfunktionen finden Menschen über Apps zueinander, die sich am gleichen Ort aufhalten, und deren Persönlichkeitsprofile zueinander passen. Wem das zu fremdbestimmt ist, kann auf das gute alte „DIY Dating“ zurückgreifen (ja, auch dafür gibt es einen hippen, englischen Begriff) – das heißt, andere Menschen im „real-life“ kennenzulernen, wenn auch ein wenig gepimpt – beispielsweise auf Dating-Events.

Eine gewagte These zum Schluss: sich ganz und gar auf einen Menschen einzulassen, der nicht perfekt ist – um mit ihm (oder an ihm) zu wachsen – ist das absolute Optimum der digitalen Welt.